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Mechanismen

Das autonome Nervensystem und Dysautonomien

Das autonome Nervensystem ist der Teil des Nervensystems, dessen Funktionen weitgehend unbewusst bleiben. Es verbindet das zentrale Nervensystem mit nahezu allen Körperorganen. Während der Hirnstamm wichtige Reflexe wie Husten und Schlucken steuert, kontrolliert das sympathische und parasympathische System die Funktionen der inneren Organe, darunter: 

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  • die Herzfrequenz

  • den Blutdruck

  • die Verdauung, Darmbewegung

  • die Blasenfunktion

  • die Körpertemperatur

  • das Schwitzen

  • die Atemfrequenz 

  • die Speichelproduktion 

  • die Genitalfunktionen

  • Pupillenweite

  • etc.

​Dabei sind die Interaktionen von Sympathikus und Parasympathikus gut aufeinander abgestimmt. Während die Impulse des Sympathikus in der Regel rasch und mobilisierend wirken, haben parasympathische Impulse auf viele Organe eher dämpfende Effekte.

Arbeitet das autonome Nervensystem wie es soll, dann sind der stimulierende Sympathikus und der beruhigende Parasympathikus in Harmonie und auch das Darmnervensystem funktioniert gut. Die Nahrung wird verdaut, Nährstoffe werden aufgenommen und chemische Botenstoffe wie Noradrenalin, Dopamin und Serotonin werden im ausreichenden Maße produziert. Bemerkenswert ist dabei, dass im Darm eine größere Menge an chemischen Botenstoffen hergestellt wird als im übrigen Körper. Das Verhältnis von Sympathikus und Parasympathikus ist dabei nicht statisch, sondern ebbt auf und ab, angeregt von Stressoren, Tag- und Nachtrhythmus etc., ähnlich wie Wellen am Strand.

Ist die Balance gestört und kann auch nicht mehr hergestellt werden, befindet sich der Körper nicht mehr in Harmonie und viele, evtl. sogar alle Organsysteme werden in ihrer Funktion behindert. Dieser Zustand wird als Dysautonomie bezeichnet.

Neurogene Kreislaufstörungen, wie z.B. PoTS, sind die häufigsten Zeichen für eine vorliegende Dysautonomie. Viele Betroffene sind  in ihrem täglichen Leben genauso eingeschränkt, wie Menschen mit chronischer Lungenobstruktion oder Herzinsuffizienz.

Die chemischen Botenstoffe des ANS

Vorneweg, es sind noch nicht alle bekannt. Beispiele für bekannte chemische Botenstoffe sind Katecholamine, Acetylcholin, Histamine, Serotonin, Prostaglandine, Stickstoffmonoxid (NO) und Endotheline.

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Der Parasympathikus verwendet Acetylcholin als Botenstoff, während der Sympathikus in Subsysteme, die vorwiegende drei unterschiedliche Botenstoffe nutzen, eingeteilt werden kann. Der wohl bekannteste chemische Botenstoff ist das Adrenalin. Es zählt wie Dopamin und Noradrenalin zu den Katecholaminen. Diese sind die wichtigsten Neutrotransmitter im autonomen Nervensystem.

Die Botenstoffe des Symphatikus
Adrenalin

Adrenalin wird in kleinen Mengen den ganzen Tag über hergestellt, es begleitet alle normalen Aufgaben des Körpers, wie das Aufstehen am Morgen. Wird der Körper mit als „gefährlicheren“ Stressoren konfrontiert, so reagiert der Sympathikus und es wird Adrenalin in großen Mengen erzeugt und über den Blutkreislauf schnell im ganzen Körper verteilt, damit dieser schnell auf die Gefahr reagieren kann. Diese rasche körperliche und seelische Anpassung von Lebewesen in Gefahrensituationen wird als Fight-or-flight-Reaktion bezeichnet.

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Was macht das Adrenalin?

Es stimuliert alle Arten von Adrenozeptoren im gesamten Körper. Es hemmt die Beta-1-Adrenorezeptoren und die Beta-2-Adrenorezeptoren.

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  • Erhöht den Blutdruck

  • Steigert die Herzrate

  • Erhöht den Blutfluss zu den Muskeln des Körpers

  • Weitet die Bronchien und verbessert die Atemkapazität

  • Verengt die Blutgefäße in Haut und Verdauungsorganen

  • Hemmt Verdauung und Speichelfluss

  • Verändert den Stoffwechsel um den Glukosespiegel (=Energie)  im Blut im gesamten Körper zu erhöhen

  • Verstärkt das Schwitzen

  • erhöht die Kerntemperatur des Körpers

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Noradrenalin

Noradrenalin besitzt im Unterschied zum Adrenalin hauptsächliche eine Rolle als Neurotransmitter im Zentralnervensystem und dem sympathischen Nervensystem. (Adrenalin hat als Neurotransmitter nur eine untergeordnete Rolle.) Noradrenalin entfaltet seine Wirkung, die der dem Adrenalin weitgehend gleicht, an den Synapsen der dünnen, nicht mit Myelinscheiden versehenden und daher langsamen postganglionären Nerven.

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Was macht das Noradrenalin?

Wie Adrenalin stimuliert es vor allem die Alpha-Adrenorezeptoren. Es hemmt ebenso  die Beta-1-Adrenorezeptoren, aber seine Hemmung der Beta-2-Adrenorezeptoren ist viel geringer als bei Adrenalin.

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  • Engstellen v.a. der kleinen Arteriolen, es entfaltet seine Wirkung, die der des Adrenalins weitgehend gleicht, an den Synapsen der dünnen, nicht mit Myelinscheiden versehenden und daher langsamen postganglionären Nerven.

  • Herzrate wird schneller und kräftiger

  • Weitet die Lungenäste (entspannt die glatte Muskulatur der Bronchien)

  • Blutfluss zum Verdauungstrakt, zu den Skelettmuskeln und den Nieren wird vermindert

  • Pupillen werden weit gestellt

  • Erbleichen möglich

  • Salvia wird zähflüssiger

  • kleine Häarchen der Haut stellen sich auf

  • In den Nieren wird Salz vermehrt zurückgehalten

Acetylcholin im Sympathikus

Acetylcholin ist wie Noradrenalin ein Neurotransmitter, und wirkt an den Nikotinrezeptoren der Snapsen der dünnen, nicht mit Myelinscheiden versehenden und daher langsamen prä- und postganglionären Nerven.

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Was macht das Acetylcholin im Sympatischen Teil des ANS?
  • Verstärkt das Schwitzen

Der Botenstoff des Parasympathikus: Acetylcholin
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Acetylcholin ist der Hauptbotenstoff des Parasympathikus und wirkt als Neurotransmitter an den Nikotinrezeptoren der prä- und postganglionären Nerven des Parasymphatikus und an den Muskarinrezeptoren des Synapsenspalts zu den jeweiligen Organen (Ganglien, Muskeln, Herz, Darm, Gehirn,…).

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Was macht das Acetylcholin im parasympathischen Teil des ANS?

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  • Vermindert die Herzrate

  • Erhöht den Muslkeltonus der glatten Muskulatur

  • Erhöht die Schleimproduktion der Lunge

  • Erhöht die Sekretion von Magensäure und  Verdauungshormonen

Botenstoffe und Dysautonomien

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Wenn Produktion, Ausschüttung oder Aufnahme dieser Botenstoffe gestört sind, verliert der Körper das Gleichgewicht, die Homöostase.

Da die gleichen Botenstoffe an vielen Stellen verwendet werden, gleiche Rezeptoren an unterschiedlichen Organen zu finden sind, betreffen Dysautonomien meist mehrere Organsysteme gleichzeitig, wie bei MSA, PAS oder Parkinson.

 

Daher kann bei den meisten Dyautonomien eine abweichende Menge von Katecholaminen und verwandter Chemikalien in Blutplasma, Urin oder Rückenmarksflüssigkeit festgestellt werden. Auch in der Behandlung sind Medikamente, welche in dieses System eingreifen, die wichtigsten.

Autonome Neuropathien 

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Als Autonome Neuropathien werden periphere Neuropathien mit selektiver oder hauptsächlicher Beteiligung von Nervenfasern des Autonomen Nervensystems bezeichnet.

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Man unterscheidet in Abhängigkeit der betroffenen Organe in isolierte und generalisierte (Poly) Neuropathien.

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Es gibt hereditäre, autoimmune, entzündliche, vaskuläre und endokrin bedingte Neuropathien.

Orthostatische Intoleranz und Angst

Der Körper reagiert auf zwei Arten von Bedrohung mit derselben Stressantwort:

  • auf äußere Gefahren: eine bedrohliche Situation, ein Schreck, eine Überforderung

  • und auf innere Ungleichgewichte, die die Homöostase gefährden: Sauerstoffmangel, fehlende Energie, zu geringe Blutversorgung des Gehirns und lebenswichtiger Organe.


In beiden Fällen reagiert der Körper gleich: Die Nebennieren schütten Adrenalin in großen Mengen aus (führt zum Fight-or-Flight-Reflex oder zum Totstellreflex).

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Bei PoTS kann bereits eine Hypovolämie ausreichen, um genau diese Kaskade auszulösen. Das Ergebnis sind Herzrasen, Schwindel, Angstgefühle. Alles Symptome, die von außen wie eine Panikattacke wirken und sich auch so anfühlen können.

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Der entscheidende Unterschied dabei ist, dass keine psychische Angst dahintersteckt. Der Körper reagiert auf eine reale, physiologisch messbare Bedrohung, die von den körpereigenen Rezeptoren erkannte Hypovolämie.

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Kommen zu dem ohnehin erhöhten Noradrenalinspiegel noch psychische Stressoren hinzu, verstärkt sich die Symptomatik in der Regel weiter.

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Der Vagusnerv - das größte Nervengeflecht des Parasympathikus

Eine Besonderheit des Parasympathikus ist der Vagusnerv. Er ist der 10. Hirnnerv und entspringt direkt im Gehirn (im verlängerten Mark des Hirnstamms), verlässt den Schädel durch eine kleine Öffnung hinter dem Ohr und zieht am Hals entlang nach unten zu den Organen (Herz, Lunge, Darm). Er läuft außerhalb der Wirbelsäule. -> Da er das Rückenmark komplett umgeht, kann er Informationen senden und empfangen, selbst wenn das Rückenmark verletzt wäre.

Zudem ist er der längste Nerv des Parasympathikus und ist an der Regulierung und Steuerung fast aller inneren Organe beteiligt (=efferent =Signale oder Prozesse, die vom zentralen Nervensystem zu peripheren Organen oder Geweben führen).

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Doch das ist nicht seine einzige Funktion, er ist ebenso an der (willkürlich) motorischen Steuerung des Kehlkopfes, des Rachens und der oberen Speiseröhre beteiligt. Von ihm werden Geruch und Geschmack sowie Berührungsreize ans Gehirn (bewusst wahrnehmbar) weitergeleitet (=efferent =Signale, die von einem peripheren Organ oder Gewebe zum zentralen Nervensystem geleitet werden). Seine sensiblen, Reflexe übertragenden Fasern, reichen auch zu den inneren Organen. Der Vagusnerv besteht also auch aus Fasern des bewussten Nervensystems.​

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​Afferente Vagus Funktion

  • Erkennen von peripheren Katecholamine

  • Erkennen lokaler immunologischer Signalmoleküle

  • Überwachung des Darmmikrobioms

  • Initiierung der zentralen Emotion

  • Initiierung der zentralen Krankheitsreaktion

  • Auslösung der Spiegelung des neruoimmunen Geschehens der Peripherie im Gehirn

 

Ein Versagen der parasympathischen Antwort

(efferent) führt zu:

  • Orthostatischer Intoleranz (PoTS, orthostatische Hypotonie)

  • Sportintoleranz 

  • Ausfall des anti-inflammatorischen Reflexes

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​Rückenmark vs. Vagus

Während der Vagus eher „physiologische“ Daten liefert (Dehnung, Nährstoffe), laufen akute Schmerzsignale eher über die spinalen Nervenwege (Rückenmark). Das Rückenmark ist Teil des Zentralnervensystems und liegt innerhalb des Wirbelkanals, geschützt durch die Wirbelsäule.  Es ist die direkte Fortsetzung des Gehirns nach unten und zieht bis zum unteren Rücken. An jedem Wirbel treten links und rechts Nerven aus, die Spinalnerven. 

Das Rückenmark ist zuständig für Motorik, Propriozeprion, Juckreiz, Temperatur, mechanischer Druck und den akuten Schmerz.

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